Wie groß sollte meine PV-Anlage sein?
Inhalt
- Faustformel
- Einflussfaktoren
- Dimensionierung nach Verbrauch
- Dachfläche und Modulanzahl
- Wärmepumpe und E-Auto
- Wirtschaftlichkeit: Klein vs. Groß
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
Die Faustformel
1 kWp pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch — dann deckst du rechnerisch ca. 30 % deines Bedarfs direkt mit Solarstrom (ohne Speicher).
Ein durchschnittlicher 4-Personen-Haushalt verbraucht 4.000–5.000 kWh pro Jahr. Die Mindestgröße liegt also bei 4–5 kWp. In der Praxis empfehlen Installateure und Energieberater häufig mehr — dazu gleich mehr.
Einflussfaktoren
Die optimale Anlagengröße hängt von vier Faktoren ab:
| Faktor | Einfluss auf Größe |
|---|---|
| Jahresstromverbrauch | Grundlage der Berechnung (1 kWp / 1.000 kWh) |
| Geplante Verbraucher | Wärmepumpe (+3–5 kWp), E-Auto (+2–4 kWp), Speicher |
| Dachfläche & Ausrichtung | Begrenzt die max. Größe, Ost-West mindert Ertrag pro kWp |
| Budget & Wirtschaftlichkeit | Degression: größere Anlagen sind pro kWp günstiger |
Dimensionierung nach Verbrauch
Ohne Wärmepumpe / E-Auto
| Jahresverbrauch | Empfohlen kWp | Module (à 430 Wp) | Dachfläche | Eigenverbrauchsanteil¹ |
|---|---|---|---|---|
| 2.500 kWh (1–2 Pers.) | 3–4 kWp | 7–10 | 35–50 m² | 25–35 % |
| 4.000 kWh (3–4 Pers.) | 5–6 kWp | 12–14 | 55–70 m² | 25–35 % |
| 6.000 kWh (5+ Pers.) | 7–8 kWp | 16–19 | 80–95 m² | 25–30 % |
¹ Eigenverbrauchsanteil ohne Speicher. Mit Speicher steigt er auf 50–70 %.
Mit Wärmepumpe
| Verbrauch (ohne WP) | WP-Strombedarf² | Gesamt | Empfohlen kWp |
|---|---|---|---|
| 4.000 kWh | +3.000 kWh (Neubau) | 7.000 kWh | 8–10 kWp |
| 4.000 kWh | +5.000 kWh (Altbau) | 9.000 kWh | 10–12 kWp |
| 6.000 kWh | +5.000 kWh (Altbau) | 11.000 kWh | 12–15 kWp |
² WP-Strombedarf abhängig von Heizlast und Jahresarbeitszahl (JAZ 3–5). Faustformel: Heizenergiebedarf ÷ JAZ = Strombedarf.
Mit E-Auto
Ein E-Auto verbraucht ca. 2.000–3.000 kWh/Jahr bei 12.000–15.000 km Fahrleistung. Plane dafür 2–4 kWp zusätzlich ein. Der solare Deckungsanteil hängt stark davon ab, ob du tagsüber (Homeoffice) oder nachts lädst.
Kombiniert: WP + E-Auto
| Haushalt | kWh/Jahr | Empfohlen kWp | Sinnvoller Speicher |
|---|---|---|---|
| 4 Personen + WP | 7.000–9.000 | 10–12 kWp | 8–10 kWh |
| 4 Personen + WP + E-Auto | 10.000–12.000 | 12–15 kWp | 10–12 kWh |
| 4 Personen + WP + 2 E-Autos | 13.000–15.000 | 15–20 kWp | 12–15 kWh |
Dachfläche und Modulanzahl
Flächenbedarf
| Modultyp | Leistung | Fläche pro Modul | Fläche pro kWp |
|---|---|---|---|
| Standard (2024+) | 400–430 Wp | ~1,8 m² | ~4,5 m² |
| Hochleistung | 430–450 Wp | ~1,8 m² | ~4,2 m² |
| Full Black | 380–420 Wp | ~1,8 m² | ~4,7 m² |
Daumenregel: Pro kWp brauchst du ca. 5–6 m² nutzbare Dachfläche (inkl. Abstandsflächen, Dachfenster, Schornstein).
Ausrichtung und Ertrag
In Deutschland erzeugt eine PV-Anlage durchschnittlich 900–1.100 kWh pro kWp und Jahr. Die Ausrichtung beeinflusst das:
| Ausrichtung | Ertrag vs. Süd | Vorteil |
|---|---|---|
| Süd, 30–35° | 100 % (Referenz) | Maximaler Jahresertrag |
| Ost-West, 15–30° | 80–90 % | Gleichmäßigere Tagesverteilung, mehr Eigenverbrauch |
| Ost oder West | 75–85 % | Morgens/abends besser, mittags schwächer |
| Nord, flach | 50–60 % | Nur wirtschaftlich bei sehr günstigen Modulen |
Praxistipp: Ost-West-Anlagen sind bei Eigenverbrauch oft wirtschaftlicher als reine Süd-Anlagen, weil sie morgens und abends mehr Strom liefern — wenn du ihn tatsächlich brauchst.
Wirtschaftlichkeit: Klein vs. Groß
Kosten pro kWp (Degression)
| Anlagengröße | Kosten pro kWp (netto) | Gesamt netto |
|---|---|---|
| 5 kWp | 1.500–1.800 € | 7.500–9.000 € |
| 10 kWp | 1.200–1.500 € | 12.000–15.000 € |
| 15 kWp | 1.100–1.400 € | 16.500–21.000 € |
| 20 kWp | 1.000–1.300 € | 20.000–26.000 € |
Seit 2023 entfällt die Mehrwertsteuer bis 30 kWp → Nettopreis = Endpreis.
Warum größer meist besser ist
- Kosten-Degression: Fixkosten (Wechselrichter, Gerüst, Anschluss) verteilen sich auf mehr Module
- Zukunftssicher: E-Auto, Wärmepumpe, Speicher — der Verbrauch steigt tendenziell
- Keine Nachteile durch Überschuss: Einspeisevergütung (~8 ct/kWh) macht auch überschüssigen Strom wirtschaftlich
- Einspeisevergütung: Bis 10 kWp: 8,03 ct/kWh, 10–40 kWp: 6,95 ct/kWh (Bundesnetzagentur)
Wann eine kleinere Anlage reicht
- Wenig Dachfläche: Bei unter 40 m² nutzbarer Fläche sind 5–6 kWp oft das Maximum
- Kein Eigenverbrauch: Wenn du tagsüber nie zu Hause bist und keinen Speicher willst
- Das Budget ist knapp: Lieber 5 kWp jetzt als 10 kWp nie
PV-Größe schnell berechnen
Mit unserem PV-Ertragsrechner kannst du die optimale Größe für deinen Standort berechnen. Du gibst ein:
- Standort (PLZ → PVGIS-Daten)
- Dachneigung und -ausrichtung
- Anlagengröße in kWp
Der Rechner zeigt dir den erwarteten Jahresertrag, Ersparnis und Einspeiseertrag. Probiere verschiedene kWp-Werte aus, um die optimale Größe zu finden.
Komplettrechnung: Kombiniere den PV-Rechner mit dem Speicherrechner und dem Förderrechner für eine vollständige Wirtschaftlichkeitsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich die Anlage später erweitern?
Technisch ja, aber es ist aufwendiger und teurer als eine größere Erstinstallation. Du brauchst ggf. einen zweiten Wechselrichter und neues Gerüst. Empfehlung: Jetzt so groß wie möglich planen.
Brauche ich einen Speicher?
Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei 25–35 %. Ein Speicher (8–12 kWh) erhöht ihn auf 50–70 %. Die Amortisation des Speichers liegt bei 8–14 Jahren — ob sich das lohnt, hängt von Strompreis und Nutzungsverhalten ab.
Was ist, wenn meine Dachfläche nicht reicht?
Möglichkeiten: Ost-West-Belegung (nutzt beide Dachhälften), Full-Black-Module (kompaktere Designs), Carport oder Fassade als Zusatzfläche, oder ein Balkonkraftwerk als Ergänzung.
Wie berechne ich meinen Jahresverbrauch?
Schau auf deine Stromabrechnung — dort steht der Jahresverbrauch in kWh. Alternativ: Stromzähler an zwei aufeinanderfolgenden Monatsanfängen ablesen und hochrechnen.
Quellen
Stand: März 2026. Alle Links zuletzt geprüft am 28.03.2026.
- Fraunhofer ISE — Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fassung 15.01.2026 — Ertragswerte, Modulkosten, Amortisation
- Bundesnetzagentur — EEG-Fördersätze für Solaranlagen — Einspeisevergütung 8,03 ct/kWh (≤ 10 kWp), 6,95 ct/kWh (10–40 kWp)
- BDEW — Strompreisanalyse Januar 2026 — Haushaltsstrompreis Ø 37,2 ct/kWh
- BSW Solar — Statistik Solarwirtschaft — Durchschnittl. Anlagenpreise, Marktentwicklung